Im Goldenen Gäßchen
- 24. März
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Zu den wohl bekanntesten Kafkastätten in Prag zählt das kleine Häuschen im Goldenen Gäßchen Nr. 22 auf der Prager Burg. Um die Mitte des Jahres 1916 hatte sich Kafka mit seiner Schwester an diesen malerischen Ort begeben, um eine ruhige Klause zum Schreiben zu finden: „Zum Spaß fragten wir in dem kleinen Gäßchen nach. Ja, ein Häuschen wäre im November zu vermieten“.
Üblicherweise pflegte Franz die Abendstunden in dem Häuschen im Goldmachergäßchen zu verbringen, nachdem er die Arbeiten des Tages verrichtet hatte, wobei ihm zur Beleuchtung eine Petroleumlampe diente. Trotz des schönen Heimwegs, der ihm den Kopf kühlte, träumte Kafka von der Möglichkeit, über Nacht in dem Häuschen bleiben zu können. Er nahm sich vor, im Keller ein Eisenbett mit einem Strohsack aufzustellen und im kommenden Sommer „oben“ zu schlafen. Vorerst aber war mangels Nachtlager nicht daran zu denken, in der Kemenate zu übernachten, weshalb er meist früh morgens oder gegen „Mitter-nacht über die Alte Schloßstiege zur Stadt hinunter“.
Im Goldenen Gäßchen entstanden ab Spätherbst 1916 eine ganze Reihe von Prosastücken und Fragmenten, unter anderem auch das Gros der Erzählungen, die 1920 im Sammelband Ein Landarzt veröffentlicht wurden.
Und Kopf hoch, wie man in unserer Gasse sagt.
Kafka an seine Schwester Ottla
In allem: der schöne Weg hinauf, die Stille dort, von einem Nachbar trennt mich nur eine sehr dünne Wand, aber der Nachbar ist still genug; ich trage mir das Abendessen hinauf und bin dort meistens bis Mitternacht; dann der Vorzug des Weges nach Hause: ich muß mich entschließen aufzuhören, ich habe dann den Weg, der mir den Kopf kühlt. Und das Leben dort: es ist etwas Besonderes, sein Haus zu haben, hinter der Welt die Tür nicht des Zimmers, nicht der Wohnung, sondern gleich des Hauses abzusperren; aus der Wohnungstür geradezu in den Schnee der stillen Gasse zu treten.
Franz Kafka an Felice Bauer
