
Patient kafka
Eine medizinhistorische Studie
Bei der seit Jahrzehnten anhaltenden, weltweiten Deutungsflut („Kafka und kein Ende“), die selbst exotische Themen nicht ausgespart hat, ist es ganz erstaunlich, daß Kafkas Leben und Wirken bisher kaum von Medizinhistorikern erforscht, interpretiert und gewürdigt wurde. Nicht der literarische Halbgott steht hier im Mittelpunkt, sondern der leidende, sterbliche Mensch. In diesem Projekt des FKI über die gesundheitlichen und heilkundlichen Aspekte in Kafkas Leben stehen auch die zahlreichen Facetten der medizinischen Praxis in den Jahrzehnten um 1900 zur Debatte. Neben den Ärzten in Kafkas Leben ist besonders auch die Patientengeschichte von Interesse, wie sie aus 3400 Druckseiten Tagebücher, 1500 Briefen und einigen tausend Publikationen erläuternder Literatur zu uns spricht. Die biobiographischen Bezüge Kafkas, einer der wohl meist- und bestdokumentierten Persönlichkeiten des angehenden 20. Jahrhunderts, versprechen tiefe Einblicke in die Alltagsgeschichte der Heilkunde jener Zeit, von der Heilstättenbewegung, über die Naturheilkunde bis zur damals angehenden Psychoanalyse. Ein bisher nur unzureichend erforschtes Feld stellt die biographische Erkundung der Ärzte dar, mit denen Kafka in Verbindung kam, von Siegmund Kohn über Ernst Fröhlich bis zu Friedl Pick.
Ein Behandlungszimmer der 1911 eröffneten Klinik für Kehlkopf- und Nasenkrankheiten in der Lazarettgasse 14 im IX. Wiener Gemeindebezirk. Diese nach Meinung ihres Begründers Ottokar von Chiari "schönste und größte laryngologische Klinik der Welt" wurde 1919 von Professor Markus Hajek übernommen, der hier 1924 auch Franz Kafka behandelte.


Aufnahme eines Behandlungszimmers der 1911 eröffneten Klinik für Kehlkopf- und Nasenkrankheiten in der Lazarettgasse 14 im IX. Wiener Gemeindebezirk. Diese nach Meinung ihres Begründers Ottokar von Chiari "schönste und größte laryngologische Klinik der Welt" wurde 1919 von Professor Markus Hajek übernommen. In diese klinische Einrichtung wurde Franz Kafka im April 1924 stationär aufgenommen. Zu den therapeutischen Maßnahmen Prof. Hajeks gehörten unter anderem Mentholeinspritzungen in den Kehlkopf.