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Kafkas Urteil

  • 30. März
  • 1 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 8 Minuten

Hotel Erzherzog Stephan (heute Europa) auf dem Wenzelsplatz, in dem Kafka 1912 „Das Urteil“ vorlas.
Das Café des Hotels Erzherzog Stefan (um 1911).

In einer legendären Septembernacht des Jahres 1912 brachte Kafka im Haus Zum Schiff die Schlüsselerzählung Das Urteil zu Papier, „wie eine regelrechte Geburt mit Schmutz und Schleim bedeckt“. Kafka hatte Das Urteil Felice Bauer zugeeignet, deren Anfangsbuchstaben mit den Initialen von Frieda Brandenfeld übereinstimmen, der Gestalt der Verlobten in der Geschichte. Die Geschichte des jungen Kaufmannes Georg Bendemann eröffnete einen Reigen vollendeter Werke, die nun mehr erreichte stilistische Sicherheit sollte zur Richtschnur für alle weiteren Texte Kafkas werden. Die Erzählung wurde 1913 im Jahr buch für Dichtkunst Arkadia veröffentlicht; drei Jahre später erschien sie im Leipziger Kurt-Wolff-Verlag als Einzelband.

Zu einer Autorenlesung in den Spiegelsaal des Hotels Erzherzog Stefan lud für den 4. Dezember des Jahres 1912 die Johann-Gottfried-Herder-Vereinigung unter der Leitung von Willy Haas. Auf dem Programm standen zunächst Gedichte von Franz Werfel und Otto Pick, dann gaben Max Brod und Oskar Baum Kostproben ihres Könnens. Der in literarischen Kreisen noch wenig bekannte Kafka war als Schluß- und Glanzpunkt vorgesehen. In nicht ganz einer halben Stunde brachte er seine Erzählung Das Urteil zu Gehör.


Seine Sprache ist kristallklar, und an der Oberfläche merkt man gleichsam kein anderes Bestreben, als richtig, deutlich, dem Gegenstand angemessen zu sein. Und doch ziehen Träume, Visionen von unermeßlicher Tiefe unter dem heiteren Spiegel dieses reinen Sprachbaches. Man blickt hinein und ist gebannt von Schönheit und Eigenart. 

Max Brod


Wie das Dienstmädchen zum ersten Mal durchs Vorzimmer ging, schrieb ich den letzten Satz nieder. [...] Nur so kann geschrieben werden, nur in einem solchen Zusammenhang, mit solcher vollständigen Öffnung des Leibes und der Seele. 

Franz Kafka, Tagebücher


Franz Kafka Kein Schüler Vitalis

 
 
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