Im Café Arco
- 28. März
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Im Herbst 1907 eröffnete der aus Reichenberg stammende Cafetier Josef Suchánek in der Nähe des damaligen Prager Staatsbahnhofes ein Etablissement, das bald zur Anlaufstelle so bedeutender Künstler wie Max Švabinský, Bohuslav Kubišta oder Friedrich Feigl wurde. Bekannter ist das Arco freilich als Kaffeehaus der Prager deutschen und jüdischen Schriftsteller, so verkehrten hier Willy Haas, Paul Kornfeld, Hans und Franz Janowitz, Rudolf Fuchs und Otto Pick. Auch Ernst Weiß, Kurt Tucholsky und Alfred Kubin vertieften sich in die Zeitungen des Arco, und Johannes Urzidil macht das Arco-Haus gar zum Schauplatz seiner Erzählung Eine Schreckensnacht, die er 1956 seiner Erzählsammlung Die verlorene Geliebte ein verleibte. Der aus Prag stammende Kaffeehausliterat Anton Kuh charakterisierte das Arco als „meteorologische Versuchsstation für deutsche Kunst und Literatur“: „Man konnte auf dem Barometer des Café ,Arco‘ genau ablesen, wann der christliche Pantheismus seine Herrschaft antreten, wann der Expressionismus dem Impressionismus nachfolgen und welche neue Bewegung in Schwung kommen würde.“ Der Wiener Kritiker Karl Kraus, Herausgeber und alleinige spitze Feder
der Zeitschrift Die Fackel, verhöhnte dagegen die Literaten des Arco als „Arconauten“.
Bis zum Ausbruch seiner Krankheit gehörte auch Franz Kafka einem losen Literatenzirkel im Arco an, wo er überdies erstmals der tschechischen Journalistin
Milena Jesenská begegnete.
Mein lieber Max – Wie wäre es, wenn Du gleich ein bißchen ins ,Arco‘ kämest, nicht auf lange, Gott behüte, nur mir zu Gefallen weißt Du, der Př. [Příbram] ist dort. Bitte gnädige Frau, bitte Herr Brod, seien Sie so gut und lassen Sie den Max hingehen.
Franz Kafka an Max Brod
Wechselndes Gefühl inmitten der jungen Leute im Café Arco.
Franz Kafka, Tagebucheintrag (25. Februar 1912)
